Gedanken über Bulldoggen
In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Bulldogszene einiges getan, und für Neulinge auf diesem Gebiet ist die Vielzahl der unterschiedlichen Zuchtrichtungen wirklich verwirrend.

Der englische Bulldog ist eine der ältesten Hunderassen, viel älter als die organisierte Rassehundezucht. Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung geht auf das Jahr 1631 zurück; schon um das Jahr 1200 wurden jedoch Bullenkämpfe mit Hunden abgehalten. Bis zum offiziellen Verbot solcher Kämpfe in England im Jahr 1835 war der Bulldog ein kräftiger, beweglicher, athletischer Hund. Er half dem Metzger, Bullen wieder einzufangen, indem er sie an der Nase packte und im Rückwärtsgang wieder in ihren Pferch zog.
Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte allmählich eine züchterische Veränderung ein, die den Typ massiv veränderte. Vor der Einführung der Rassehunde-Ausstellungen und der reinen Schönheitszucht hatten die meisten Bulldogs noch eine gerade Rute, einen viel weniger großen Kopf mit zwar kurzer, aber noch deutlich vorhandener Nase, und auch noch längere Beine als heute. Erst in den letzten achzig bis hundert Jahren wurde der heutige, moderne Typ des englischen Bulldog entwickelt. Leider ist der übertrieben schwere, großköpfige und kurznasige Körperbau der modernen englischen Bulldogge, der so lustig anzusehen ist, meist mit Problemen bei der Geburt, Schwierigkeiten bei der Atmung, Wirbelsäulenschäden, Herzfehlern und anderen Problemen verbunden, die liebenswerten Geschöpfe sind in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt. Kritik an der Gesundheit der englischen Bulldogge ist daher schon lange immer wieder laut geworden, auch von Züchtern selbst.
So wundert es nicht, daß immer wieder Versuche unternommen werden, nach dem Vorbild der alten Züchter "frisches Blut" in die Rasse zu bringen, neue Gene, die Vitalität und einzelne Merkmale verbessern sollen. Aber: Eine auch nur einmalige Einkreuzung eines Tieres, das nicht im Zuchtbuch steht (das aber vielleicht eine schöne gerade Rute bzw. Wirbelsäule hat, die in der eigenen Rasse nicht mehr vorkommt), wird heutzutage von England, dem Mutterland der Rasse, nicht mehr akzeptiert. Damit fordern die Engländer die Entstehung neuer Bulldog-Rassen geradezu heraus!
Die älteste dieser alternativen Zuchtrichtungen besteht seit ca. 40 Jahren in den USA, sie heißt "Olde English Bulldogge" und ist mittlerweile vom UKC vorläufig als eigenständige Rasse anerkannt. Echte, reinrassige OEBs sind hier in Deutschland noch sehr, sehr selten! Der die Rasse betreuende parent club heißt OEBKC, im Zuge der Anerkennung hat die CDHPR die Weiterführung des Zuchtbuches übernommen. Hier in Deutschland betreut der OBCE e.V. die Olde English Bulldogge. "OEBs" ohne CDHPR-, OEBKC- oder (für in Deutschland gezüchtete) OBCE-Papiere sind keine reinrassigen OEBs!!!

Der Original Olde English Bulldog aus dem OEBKC ist ein toller Hund. Fit, sportlich, ohne jedes Atemproblem, mit einem hervorragenden, anhänglichen Wesen. Warum züchten wir bei Berrywood also nicht einfach OEBs?
Studiert man alte Quellen, so merkt man recht schnell, daß der klassische alte Bulldogtyp deutlich kleiner war als die meisten reinrassigen Olde English Bulldogges. Seit 2002 verfolgt unser Club, der OBCE e.V. eine eigene alternative Zuchtlinie, die wieder zu diesem kleinen, kompakten, bulligen und dennoch beweglichen, athletischen Typ zurückgehen will. Diese eigene alternative Rasse heißt Vintage ® English Bulldog, es gibt sie nur im OBCE e.V. Zur Verbreiterung der Zuchtbasis und Weiterentwicklung der Rasse werden seit Jahren nur noch gesunde englische Bulldoggen und Original Olde English Bulldogges eingekreuzt.
Es gibt darüber hinaus noch eine Vielzahl anderer, kleinerer und größerer Strömungen in der alternativen Bulldogwelt. Bei all diesen werden zum Teil sehr viele verschiedene, unterschiedliche Rassen miteinander verkreuzt. Viele deklarieren ihre Zucht- oder Gründertiere fälschlicherweise als OEBs (Olde English Bulldogges), auch wenn sie in Wirklichkeit gänzlich anderen Quellen entstammen. Da werden Farben in die Zucht aufgenommen, die bei Bulldogs noch nie zugelassen waren, da werden offenbar völlig fremde Rassen in einem Maße eingekreuzt, daß vom ursprünglichen Typ wirklich nichts mehr erkennbar ist, oder sogar Hunde auf martialische Weise als gefährliche, kämpfende Bestien gezeigt als ob uns gerade das in einer Zeit der Diskussion um "Kampfhunde-Rassen" noch gefehlt hätte!
Davon wollen wir uns ganz klar abgrenzen. Unsere Vintage ® English Bulldog-Zucht folgt klaren Regeln: Alle Zuchttiere sind gesundheitlich überprüft, alle Abstammungen werden per "Elternschaftstest" durch Genprofile bewiesen, die Zertifikate werden den Käufern ausgehändigt. Die Zuchtordnung des OBCE e.V. überwacht das Mindestalter von Hündinnen, schont sie durch eine begrenzte Anzahl von Würfen in ihrem Leben, schreibt die Aufzucht der Welpen in Haus und Familie vor und erlegt den Züchtern auch sonst allerhand Auflagen auf, wie z.B. regelmäßige Fortbildungen.
Wir unterwerfen uns diesen Vorschriften gerne - auch bei uns steht an allererster Stelle das Wohl der Rasse und der Hunde, getreu dem Motto unseres Vereins:
